Seit langer Zeit wollte ich schon immer mal etwas über Projekte allgemein schreiben, habe mir das bisher aber verkniffen. Eine Diskussion vor einigen Tagen hat mich dann doch mal zu der Überzeugung gebracht, dass ich meine Gedanken dazu aufschreiben sollte. Nicht weil ich der Hüter der Wahrheit bin, sondern weil ich eine individuelle Meinung dazu habe (wie jeder andere auch). Dabei will ich auch gleich sagen, dass jeder immer recht hat, wenn man den entsprechenden Betrachtungswinkel berücksichtigt. Das soll heißen – ich liege auf alle Fälle voll daneben, solange man die Voraussetzungen für meine Worte ändert. Und damit keine Missverständnisse entstehen – ich will meine Meinung zu Projekten unter dem Gesichtspunkt äußern, dass damit fotografische Entwicklungen vorangetrieben werden sollen.
Wenn ich mich im Netz auf vielen Fotoblogs umschaue, so gibt es sehr häufig Fotoprojekte zu sehen. Das ist gut, weil Projekte uns “nach vorne werfen” sollen (laut Wikipedia der Ursprung dieses Worts). Nun gibt es eine ganze Reihe von Fotoprojekten, die mit Zahlen aggieren. Besonders beliebt scheinen die 365er Projekte zu sein. Bei diesen Projekten soll jeden Tag ein Foto gemacht werden – ein ganzes Jahr lang. Klingt toll und scheint eine gewisse Magie zu haben. Doch was ist das Ziel bei diesen Projekten? Meist ist dahingehend nichts definiert. Es sind die Termine für die Erstellung und die Anzahl der zu produzierenden Werke vorgegeben, jedoch fehlt nahezu immer eine Festlegung von Zielen, die mit dem Projekt erreicht werden sollen.
Ohne ein Ziel wird aus einem Projekt jedoch eine Beschäftigungstheraphie. Im Falle der 365er zeigt der Macher, dass er es geschafft hat (falls es zu Vollendung kommt), jeden Tag einmal auf den Auslöser zu drücken. Mehr wird vom Projekt nicht verlangt, mehr ist nicht erforderlich und viel mehr wird meist auch nicht gemacht. Wenn man ein Projekt als Wanderung ansieht, dann wird mit dieser Art von Projekten gesagt, das man soundsoviel Schritte machen will, jedoch nicht wohin. Schlimmstenfalls tritt man auf der Stelle oder wandert verloren umher. Bei einer Wanderung hört man auch nicht nach einer festgelegten Zahl von Schritten auf und bleibt dann dort zurück, wo man gerade hingekommen ist. Man stellt sich ein Ziel und hört doch erst auf, wenn man angekommen ist (oder von Suchtrupps gefunden wurde).
Ich habe absolut nichts gegen Projekte, die an eine bestimmte Zahl gebunden sind. Manche Leute finden soetwas vielleicht sexy oder besonders motivierend. Ich glaube jedoch, dass ein Projekt nur etwas bringt, wenn man sich vorher klar darüber wird, was man damit erreichen will. Wenn man ein dokumentarisches Ziel verfolgt, also ein Fototagebuch machen möchte, dann mögen derartige Projekte einen Sinn haben. Unter dem Gesichtspunkt der Entwicklung von fotografischen Fähigkeiten darf man aber nicht zuviel erwarten. Zudem haben die besonders langfristigen Projekte Nebenwirkungen – sie können zur Belastung werden und dann wird aus dem positiven Ansatz, dass man sich täglich mit Fotografie beschäftigen will, schnell ein schwarzer Schatten auf dem eigentlich geliebten Hobby. Entweder macht man dann zähneknirschend halt schnell das Foto, oder man überlegt sich Ausreden, wieso man heute keins machen konnte.
Sich täglich mit Fotografie zu befassen ist ein sehr guter Ansatz (siehe z. B. hier), nur für ein Projekt sollte es dann schon etwas zielgerichtetes sein. Dazu wäre eine thematische Festlegung ein erster Ansatz. Oder man begrenzt seine Mittel (z. B. nur bestimmte Ausrüstung verwenden). Aber wichtig bei allem ist – das Ziel. Was soll erreicht werden? Ohne dies “darf” es sich nicht Projekt nennen und ist auch nicht über eine Fleißarbeit hinaus überprüfbar. (“Okay, du hast 365 Fotos gemacht – aber wieso brauchst du dafür ein Jahr? Das kann man auch an einem Tag machen.“)
Und noch ein Tipp – bei Projekten, die sehr langfristig angelegt sind wird meist vergessen einzubeziehen, dass man schon nach einer gewissen Zeit (entsprechende Beschäftigung mit dem Thema vorausgesetzt) über den anfänglichen Fähigkeitshorizont hinaus gewachsen ist. Und dann fühlt man sich schnell wie ein Zweitklässler, der mit Aufgaben für Erstklässler beschäftigt wird. Daher ist es besser, Projekte in kürzerem Zeitrahmen zu fassen.
Für all diejenigen unter uns, die berufstätig sind oder irgendwelche Aufgaben zu erledigen haben (Haushalt, Kinder etc.) – lasst euch etwas Luft im Projekt. Der Mensch braucht auch mal eine Pause und selbst für kleine Aufgaben wird eine gewisse Energie benötigt. Es ist wenig sinnvoll, wenn man abends völlig erschöpft nach Hause kommt und dann noch schnell kreativ sein soll. Es gibt einfach Tage, wo das nicht funktioniert und da sollte sich niemand immer auf Krampf zu etwas zwingen.
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Eine Art von Projekt ist mein Experimentieren mit den “fließenden” Lichtern. Da ist es mein Ziel, mit dieser Form der Fotografie vertraut zu werden und mehr Kontrolle über die Ergebnisse zu bekommen. Und nicht zuletzt fasziniert mich die Spielerei mit den Farben und den nicht bestimmbaren Formen.
Diesmal habe ich versucht bei der Entwicklung eine andere Farbstimmung zu nutzen und etwas mehr ins kühlere zu gehen. Dabei machen die Blautöne (und deren Übergänge in andere Farben) aber ein bisschen Probleme und es entstehen schnell unschöne Kanten (bei den gezeigten Fotos eher nicht). Mir gefällt an diesen Bildern besonders der Kontrast zwischen dem Gelb und dem bläulichen Cyan.