In der letzten Zeit hatte ich wieder einige Erlebnisse, die mich ins Grübeln gebracht haben. Allzu oft werde ich als Herumkritisierender gesehen, der an allem etwas auszusetzen hat. Da werde ich als Tomatenwerfer bezeichnet und mir wird vorgeworfen, dass es keiner Fähigkeit bedarf etwas kaputtzureden. Aus dem Augenwinkel betrachtet mag dies so erscheinen. Doch ich finde da werden einige Punkte übersehen.
Ich bin als Dipl. Ing der Verlagsherstellung (FH) ausgebildet, Qualitätsmängel schnell und sicher zu erkennen. Eine der Grundsäulen des Berufs Hersteller (neudeutsch auch Productioner) ist es, fertige Druckerzeugnisse dahingehend zu prüfen, was an Fehlern bei der Produktion entstanden ist, um dann genau mit dem Finger drauf zeigen zu können und den Verursacher festzunageln. Ich sehe daher von Haus aus (meist) viel mehr Mängel, als die meisten Profifotografen.
Nun ist die Sache so, dass ich weiß, dass technische Fehler jedem unterlaufen. Fehler passieren, man zeigt sie auf und dann wird dran gearbeitet diese abzustellen. Kein Problem. In der Fotografie ist es ein klein wenig anders. Die Mehrzahl der Fotografen erkennt viele technische Fehler nicht und wenn es niemand aufzeigt, wird in alle Ewigkeit der gleiche Fehler weiter und weiter gemacht.
Wir sind alle Menschen und jeder macht Fehler. Ein Leben ohne Fehler ist nicht möglich. Lernen ohne Fehler zu machen ist nicht möglich. Das Voranschreiten der Menschheit ist ohne Fehler nicht möglich. Wichtig ist doch nur, dass wir aus Fehlern lernen. Aus eigenen (ist am effektivsten) oder aus denen anderer. Doch lernen kann man nur, wenn man die Fehler erkennt.
Ich erinnere mich an einige Erlebnisse, wo ich mit einem Foto so zufrieden war und stolz und … ja es war wahrscheinlich das beste Foto der Welt. Als ich es meinem Kursleiter gezeigt hatte und auf überschwängliche Begeisterung gefasst war – kam nur ein „nicht schlecht, doch schau mal: hier und da und dort“. Umpf … was für ein herber Rückschlag! Natürlich fühlt es sich nicht toll an, wenn man auf Fehler hingewiesen wird. Das kratzt am Ego. Doch da muss man einfach die langfristige Perspektive sehen. Der Fehler, den ich jetzt gemacht habe und auf den ich hingewiesen wurde, ist der Punkt an dem ich mich verbessern kann und damit wachsen. Dem ersten niedergeschlagenen Gefühl sollten bald jubilierende folgen. Wenn ich in einer fremden Stadt unterwegs bin und mich verlaufen habe und mir dann jemand den rechten Weg weist, dann freue ich mich doch und bin nicht sauer.
Der nächste Punkt ist, dass ich der Überzeugung bin, dass bestimmte Begriffe auch eine bestimmte Bedeutung haben. Wenn mir jemand erzählen will, dass eine zufällige Anordnung etwas mit Design zu tun hat, dann muss ich da einfach widersprechen. [Design ist eine bewusste Ordnung von Elementen und bedarf einer geistigen Vorarbeit – Zufall oder desinteressiertes Handeln ist kein Design] Und ganz besonders kritisch werde ich, wenn jemand als Künstler hingestellt wird. Sei es durch die Aufnahme in eine Galerie oder in eine Publikation zum Thema Kunst oder was auch immer. Kunst spielt in der Menschheitsgeschichte eine bedeutende Rolle. Die Gesellschaft hat es Künstlern ermöglicht ihre Werke zu schaffen. Sie sorgt dafür, dass diese mehr oder weniger in Ruhe arbeiten können und sich nicht auf Nahrungssuche gehen müssen. Sie erhalten Schutz und müssen nicht ihr Dorf verteidigen etc. Doch als Gegenleistung müssen sie etwas erbringen, das nur sie können. Sie schaffen neue Ideen, entwickeln Visionen die Generationen beflügeln oder Motivieren auf eine Weise, wie nur Künstler es können. Als eine geistige Elite bringen sie die Gesellschaft voran.
Und wenn nun jemand daherkommt, eine aus Faulheit und Bequemlichkeit motivierte Arbeit schafft – sich also nicht einmal bemüht, dann hat er die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft nicht verstanden und muss für diesen schäbigen Betrugsversuch aus dem Dorf gejagt werden. Wer also glaubt, Werke in einer Ausstellung hängen zu haben reicht aus, um sich als Künstler zu sehen, der hat sich geirrt. Nur weil ich auf einer Straße laufe bin ich auch noch lange kein Auto. Die Beweihräucherung, die in „Künstlerkreisen“ mitunter erfolgt wird von mir immer kritisiert werden – und zwar auf eine begründete Weise. Die Gesellschaft kommt nicht weiter, wenn wir jedes Häufchen, das ein Möchtegernkünstler macht, in Bewunderungsstarre anbeten. Daher gehe ich mit Künstlern hart ins Gericht, wenn ich ihre Legitimität bezweifle. Und ein Foto in einer Kunstausstellung mit Mängeln wird von mir gnadenlos „zerrissen“.
Ich fasse mal zusammen:
1. Wenn ich eine Kritik äußere, dann liegt es meist daran, dass ich gewohnt bin Dinge zu sehen, die anderen entgehen. Wenn man im Bus sitzt und sieht, dass der Fahrer sich verfährt, dann ist es nach meiner Ansicht besser, etwas zu sagen, als dazusitzen und den Fahrer fürs richtige Blinken zu loben. Diese Art der Kritik äußere ich, da ich der Meinung bin, dass jeder jeden nach seinen Möglichkeiten unterstützen sollte, damit wir insgesamt wachsen können. Mir fallen vielleicht diese Fehler auf, jemand anderem fallen andere Fehler bei mir auf. Wenn jeder schweigt und es für sich behält geht es nirgends vorwärts.
2. Wenn mir von jemandem Kunst präsentiert wird, die handwerkliche Mängel aufweist, dann ist dies Betrug am Betrachter (und damit auch ein Betrugsversuch an mir) und dagegen werde ich immer einschreiten. Kunst sollte immer eine herausragende Leistung sein und nicht nur ein halbgewalkter Versuch.
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Als Fotos möchte ich heute ein paar neue Ergebnisse aus meinen Verwackelungsstudien zeigen. Dabei habe ich mir diesmal wieder glitzernde und schimmernde Gegenstände gesucht, um mit den bei der Lichtbrechung entstehenden Farben zu spielen.
Mir gefallen die Nr. 6 und 11 und 12 am besten. Wer mich kennt – ich bin für jede Kritik offen. Also sagt gern eure Meinung zu meinen Fotos :)