Im Kommentar zum ersten Artikel dieser Reihe hat Caro bemerkt, dass sie beim Fotografieren eher auf ihr Gefühl hört, als sich Gedanken das was und warum und wie zu machen. Ich finde diese emotionale Herangehensweise hat genauso ihre Berechtigung, wie die durchdenkende. Ausschließlich fühlende und ausschließlich denkende Fotografie sind die Pole eines Spektrums und in den aller seltensten Fällen kommen sie in Reinform vor (also wo jemand nur fühlt und überhaupt nicht denkt beim Fotografieren oder umgekehrt). Je nach der Persönlichkeit des Fotografierenden wird man sich irgendwo zwischen diesen Polen aufhalten und am wohlsten fühlen bzw. “richtig” liegen.
Ich glaube für jeden Fotografierenden ist es eine Bereicherung, wenn man sich von seinem Platz im Spektrum hin und wieder wegbewegt und sich selbst und seine fotografische Motivation genauer kennenlernt. Die denkende Herangehensweise lässt sich leichter in Worten beschreiben, daher bin ich eher dabei über diese Form zu sprechen. Doch im Endeffekt lässt sich auch die emotionale Fotografie auf gleiche Weise ergründen/verbessern. Die in den Artikeln Bessere Fotos (I) und Bessere Fotos (II) beschriebenen Wege treffen 1:1 auch für die emotionale Seite der Fotografie zu.
Wenn man sich seiner Gefühle bewusst wird und erkennt, wodurch diese ausgelöst werden, dann kann man diese Gefühle auch besser fotografisch umsetzen. Wenn ich in den letzten Tagen die Bilder aus dem Zoo Halle betrachte, dann habe ich mir bei keinem der Fotos genaue Gedanken gemacht, wie ich die Tiere fotografiere. Vielmehr habe ich intuitiv gehandelt – denn gewisse Elemente von Komposition und Bildaufbau sind bei mir schon so im Blut, dass sie fast unbewusst in die Fotos einfließen. Bei den Fotos vom Äffchen habe ich sehr emotional gehandelt (ok, bei Tierbabies ist das nicht so schwer, das kommt fast schon automatisch). Bei den Elefanten hingegen bin ich eher denkend an die Sache herangegangen – dort hat mich mehr der Vorgang des Sandwerfens interessiert, als dessen Bedeutung im Leben der Elefanten.
Wie kann man nun als emotionaler Fotografierer seine Fotos verbessern?
Als erstes ist es wichtig, dass man seine Emotionen zulässt und ihnen gegenüber offen ist. Was uns von der toten Matierie unterscheidet (neben einigen anderen Punkten) sind unsere Gefühle. Schon aus diesem Grund ist es eine Bereicherung, wenn man seinen Gefühlen gegenüber offen ist und sich an der ganzen Fülle der unterschiedlichen Emotionen erfreut. Ja, auch die “schlechten” Gefühle sind ein Ausdruck unseres Menschseins. Aus der buddhistischen Meditation kenne ich Übungen, wo man versucht sich bewusst zu machen, welches Gefühl man gerade empfindet und jedes Gefühl wie einen Freund begrüßt (“Oh, Zorn. Schön das du da bist.“) Das klingt vielleicht blöd, führt aber zu der Erkenntnis, dass Gefühle kommen und gehen und wir wenig Einfluss darauf haben. Und es öffnet einem Türen, auch die “unschönen” Gefühle zu erleben und damit umzugehen. Viel zu oft kämpfen wir gegen die unschönen Gefühle und machen dadurch nur alles schlimmer. Außerdem können wir durch das Bewusstmachen der Gefühle deren Einfluss auf unser Handeln und Erleben erkennen.
Als zweites kann man versuchen herauszufinden, woher die Emotionen kommen. Wenn ich eine alte Frau fotografiere, die mich an meine erste Mathelehrerin erinnert (eine “Hexe” wie aus dem Märchen) und dadurch eine große Abneigung empfinde, dann hat das nichts mit der fotografierten Frau zu tun. Die von mir empfundene Emotion wird also nicht durch etwas begründet, was sich vor meiner Linse aufhält – daher wird es auch sehr schwer dies im Foto so festzuhalten, dass es ein anderer Betrachter nachvollziehen kann. Wenn ich herausgefunden habe, was bestimmte Emotionen bei mir hervorbringt, dann wird es aber viel leichter, mich in diese Situationen zu begeben, um diese Emotion zu erleben.
Der nächste Punkt ist es herauszufinden, wie erfolgreich man sein empfundenes Gefühl beim Fotografieren dann auch umgesetzt hat. Also kommt die Emotion im Bild dann auch rüber?
Und nicht zuletzt ist es bei der emotionalen Herangehensweise eine Frage der Erfahrung. Wenn man sich beim Fotografieren auf sein Gefühl verlässt, dann spielen die ganzen Erfahrungen, die man bisher gemacht hat, in die Wahrnehmung mit hinein, dass sich ein bestimmter Aufnahmewinkel oder ein bestimmter Moment etc. “richtig” anfühlt. Wenn man ein Gespühr für schöne Fotos hat, dann braucht man sich in dem Moment nicht auf die ganzen Regeln und Tipps zu verlassen, weil man es in der Situation instinktiv “richtig” macht.
Dieser letzte Punkt heißt aber auch, dass man durch bewusstes Lernen (Übungen etc.) seine emotionale Herangehensweise unterstützen kann. Denn wenn die Erfahrungen, die man macht, entsprechend gelenkt werden, dann werden diese in das Gefühl beim Fotografieren integriert. So passiert es mir oft, dass ich im Nachhinein feststelle, dass ich Linien in einem Foto schon automatisch aus dem Bauch heraus “richtig” ins Bild gesetzt habe. Und das ist auch das Ziel der ganzen Übungen – das einem alles so in Fleisch und Blut übergeht, dass man sich später keine Gedanken mehr darüber machen braucht, sondern es sich einfach richtig anfühlt das Foto genau so zu machen.
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Hundi ist mal wieder bei mir zu Besuch gewesen. Ganz im Sinne der Weltmeisterschaft hat sich Hundi als Deutschlandfan geoutet und das komplette Fanoutfit angelegt. Leider hat sie die Vuvusela nicht im Maul behalten wollen, aber trotzdem war es sehr lustig die Fotos zu machen. Und weil Hundi eine kleine Prinzessin ist, hat sie sich auch mit ihrem Krönchen fotografieren lassen. Ich hoffe somit sind die Jungs und auch die Mädels alle bedient worden ;)
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