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Bessere Fotos (III)

Sonntag, 20. Juni 2010 - Torsten Winkler

Im Kommentar zum ersten Artikel dieser Reihe hat Caro bemerkt, dass sie beim Fotografieren eher auf ihr Gefühl hört, als sich Gedanken das was und warum und wie zu machen. Ich finde diese emotionale Herangehensweise hat genauso ihre Berechtigung, wie die durchdenkende. Ausschließlich fühlende und ausschließlich denkende Fotografie sind die Pole eines Spektrums und in den aller seltensten Fällen kommen sie in Reinform vor (also wo jemand nur fühlt und überhaupt nicht denkt beim Fotografieren oder umgekehrt). Je nach der Persönlichkeit des Fotografierenden wird man sich irgendwo zwischen diesen Polen aufhalten und am wohlsten fühlen bzw. “richtig” liegen.

Ich glaube für jeden Fotografierenden ist es eine Bereicherung, wenn man sich von seinem Platz im Spektrum hin und wieder wegbewegt und sich selbst und seine fotografische Motivation genauer kennenlernt. Die denkende Herangehensweise lässt sich leichter in Worten beschreiben, daher bin ich eher dabei über diese Form zu sprechen. Doch im Endeffekt lässt sich auch die emotionale Fotografie auf gleiche Weise ergründen/verbessern. Die in den Artikeln Bessere Fotos (I) und Bessere Fotos (II) beschriebenen Wege treffen 1:1 auch für die emotionale Seite der Fotografie zu.

Wenn man sich seiner Gefühle bewusst wird und erkennt, wodurch diese ausgelöst werden, dann kann man diese Gefühle auch besser fotografisch umsetzen. Wenn ich in den letzten Tagen die Bilder aus dem Zoo Halle betrachte, dann habe ich mir bei keinem der Fotos genaue Gedanken gemacht, wie ich die Tiere fotografiere. Vielmehr habe ich intuitiv gehandelt – denn gewisse Elemente von Komposition und Bildaufbau sind bei mir schon so im Blut, dass sie fast unbewusst in die Fotos einfließen. Bei den Fotos vom Äffchen habe ich sehr emotional gehandelt (ok, bei Tierbabies ist das nicht so schwer, das kommt fast schon automatisch). Bei den Elefanten hingegen bin ich eher denkend an die Sache herangegangen – dort hat mich mehr der Vorgang des Sandwerfens interessiert, als dessen Bedeutung im Leben der Elefanten.

Wie kann man nun als emotionaler Fotografierer seine Fotos verbessern?

Als erstes ist es wichtig, dass man seine Emotionen zulässt und ihnen gegenüber offen ist. Was uns von der toten Matierie unterscheidet (neben einigen anderen Punkten) sind unsere Gefühle. Schon aus diesem Grund ist es eine Bereicherung, wenn man seinen Gefühlen gegenüber offen ist und sich an der ganzen Fülle der unterschiedlichen Emotionen erfreut. Ja, auch die “schlechten” Gefühle sind ein Ausdruck unseres Menschseins. Aus der buddhistischen Meditation kenne ich Übungen, wo man versucht sich bewusst zu machen, welches Gefühl man gerade empfindet und jedes Gefühl wie einen Freund begrüßt (“Oh, Zorn. Schön das du da bist.“) Das klingt vielleicht blöd, führt aber zu der Erkenntnis, dass Gefühle kommen und gehen und wir wenig Einfluss darauf haben. Und es öffnet einem Türen, auch die “unschönen” Gefühle zu erleben und damit umzugehen. Viel zu oft kämpfen wir gegen die unschönen Gefühle und machen dadurch nur alles schlimmer. Außerdem können wir durch das Bewusstmachen der Gefühle deren Einfluss auf unser Handeln und Erleben erkennen.

Als zweites kann man versuchen herauszufinden, woher die Emotionen kommen. Wenn ich eine alte Frau fotografiere, die mich an meine erste Mathelehrerin erinnert (eine “Hexe” wie aus dem Märchen) und dadurch eine große Abneigung empfinde, dann hat das nichts mit der fotografierten Frau zu tun. Die von mir empfundene Emotion wird also nicht durch etwas begründet, was sich vor meiner Linse aufhält – daher wird es auch sehr schwer dies im Foto so festzuhalten, dass es ein anderer Betrachter nachvollziehen kann. Wenn ich herausgefunden habe, was bestimmte Emotionen bei mir hervorbringt, dann wird es aber viel leichter, mich in diese Situationen zu begeben, um diese Emotion zu erleben.

Der nächste Punkt ist es herauszufinden, wie erfolgreich man sein empfundenes Gefühl beim Fotografieren dann auch umgesetzt hat. Also kommt die Emotion im Bild dann auch rüber?

Und nicht zuletzt ist es bei der emotionalen Herangehensweise eine Frage der Erfahrung. Wenn man sich beim Fotografieren auf sein Gefühl verlässt, dann spielen die ganzen Erfahrungen, die man bisher gemacht hat, in die Wahrnehmung mit hinein, dass sich ein bestimmter Aufnahmewinkel oder ein bestimmter Moment etc. “richtig” anfühlt. Wenn man ein Gespühr für schöne Fotos hat, dann braucht man sich in dem Moment nicht auf die ganzen Regeln und Tipps zu verlassen, weil man es in der Situation instinktiv “richtig” macht.

Dieser letzte Punkt heißt aber auch, dass man durch bewusstes Lernen (Übungen etc.) seine emotionale Herangehensweise unterstützen kann. Denn wenn die Erfahrungen, die man macht, entsprechend gelenkt werden, dann werden diese in das Gefühl beim Fotografieren integriert. So passiert es mir oft, dass ich im Nachhinein feststelle, dass ich Linien in einem Foto schon automatisch aus dem Bauch heraus “richtig” ins Bild gesetzt habe. Und das ist auch das Ziel der ganzen Übungen – das einem alles so in Fleisch und Blut übergeht, dass man sich später keine Gedanken mehr darüber machen braucht, sondern es sich einfach richtig anfühlt das Foto genau so zu machen.

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Hundi ist mal wieder bei mir zu Besuch gewesen. Ganz im Sinne der Weltmeisterschaft hat sich Hundi als Deutschlandfan geoutet und das komplette Fanoutfit angelegt. Leider hat sie die Vuvusela nicht im Maul behalten wollen, aber trotzdem war es sehr lustig die Fotos zu machen. Und weil Hundi eine kleine Prinzessin ist, hat sie sich auch mit ihrem Krönchen fotografieren lassen. Ich hoffe somit sind die Jungs und auch die Mädels alle bedient worden ;)

Bessere Fotos (II)

Sonntag, 11. April 2010 - Torsten Winkler

In meinem ersten Beitrag zum Thema bessere Fotos (Bessere Fotos (I)) habe ich einige meiner Gedanken dazu geäußert, wie ich versuchen kann, mit meinen Fotos anderen eine bedeutungsvollere Aussage zu vermitteln. Kurz gesagt – ich muss mir bewusst werden, was ich zu einem Motiv sagen möchte und wie ich dies am besten ausdrücke. In meinem heutigen Beitrag möchte ich mich mehr den Motiven widmen.

Fotos werden dann besonders bedeutungsvoll, wenn sie etwas zwischen dem Fotografen und dem Betrachter vermitteln. Anders als in einem Gespräch, findet bei der Fotografie vorrangig nur eine Einbahnstraßen-Kommunikation statt. Der Fotograf erzählt dem Betrachter etwas – dieser hört zu, oder lässt es bleiben. Somit ist die Fotografie zum großen Teil von der Persönlichkeit des Fotografen abhängig. Sein Charakter prägt den Austausch in besonderer Weise.

Daher ist es für den Fotografen wichtig, sich an seiner eigenen Persönlichkeit zu orientieren. Natürlich kann ein Fotograf auch ohne seine Persönlichkeit einzubringen schöne Fotos machen – jedoch fehlt diesen dann die Individualität, die Fotos werden bedeutungsloser. Eine These von mir ist: “Der Fotograf definiert sich weniger über die Dinge, die er fotografiert, als vielmehr darüber, was er nicht fotografiert.” Wenn ich durch die Gegend schlendere, springen mir hunderte tolle Fotomöglichkeiten ins Auge. Wenn ich etwas in der Fotografie gelernt habe, dann ist es, dass an jedem Ort und zu jeder Zeit unbegrenzte Möglichkeiten für schöne Fotos zur Verfügung stehen. Mit der “richtigen” Belichtung und etwas Kompositionstalent kann man den ganzen Tag lang ein “schönes” Foto nach dem anderen schießen. Das ist dann aber in etwa so interessant wie jemand, der an der Straßenecke steht und einen beliebigen, “schönen” Satz nach dem anderen von sich gibt.

Nun habe ich nachgedacht und einige Dinge über meine Jugend festgestellt:

  • Ich war als pubertierender Junge von Kakteen begeistert. Über Jahre habe ich Kakteen gesammelt und zu Hochzeiten hatte ich über 40 unterschiedliche Kakteenarten. Viele davon haben wunderschön geblüht.
  • Ich hatte einen Wellensittich und wir waren die dicksten Freunde :) Oft saß er bei mir auf der Schulter wenn ich etwas gemacht habe. Oder wir haben zusammen Mittagsschläfchen gemacht (da saß er bei mir auf der Wange).
  • Ich habe über viele Jahre die Elle gelesen (mehr, weil mich die Fotos interessiert haben). Aber ich hatte nicht nur die Elle im Abo, sondern auch die Bild der Wissenschaft.
  • Meine Eltern sind oft mit mir in der Natur unterwegs gewesen. Dabei bin ich gern durch Wälder gestreift, auf Felsen herumgeklettert und habe darauf geachtet, ob nicht irgendwo ein besonderes Tier, eine besondere Pflanze oder sonst etwas Besonderes zu finden war.

Heute gibt es zu diesen Bereichen Parallelen in meinem Leben. Ich liebe Pflanzen und erfreue mich daran, wenn etwas in meiner Obhut wächst. Ich liebe Vögel und Tiere und habe noch immer viel Spaß daran, ihnen zuzusehen. Ich bewege mich gern in der Natur und schaue nach Gewöhnlichem wie auch Besonderem. Ich beschäftige mich immer noch mit Mode und Werbung und gleichzeitig mit wissenschaftlichen Entwicklungen.

Zu all diesen Prägungen in meiner Jugend gibt es direkte Beziehungen zu meiner Fotografie. Natur, Tiere und Landschaft sind Themen, die mich schon immer beschäftigen und sich in meiner Fotografie wiederfinden. Meine wissenschaftliche Neigung spiegelt sich mehr in der Herangehensweise und der technischen Seite wider. Und meine jahrelang aufgebaute innere Bilderwelt durch Modemagazine kommt in manchem meiner Portraits schon hervor.

Wenn ich also Pflanzen und Tiere fotografiere, wird das eher ein bedeutungsvolles Bild, weil ich etwas zu dem Thema zu sagen habe. Anders, als wenn ich z.B. Autos fotografieren würde, zu denen ich keinen wirklichen Draht habe. Zwar könnte ich sicherlich das eine oder andere schöne Foto von einem Auto machen, doch wird dies nicht viel aussagen, weil mich das Thema nicht interessiert.

Die zweite Aufgabe in dieser Reihe ist dem zufolge, dass du dir wieder ein paar Fragen stellen sollst:

  1. Welche Themengebiete ziehen sich durch mein Leben? (Hobbies, regelmäßige Ereignisse etc.)
  2. Was kommt in meiner bisherigen Fotografie gehäuft vor? (Lebewesen, Gegenstände, Plätze etc.)
  3. Wo habe ich einen besonderen Zugang, der anderen nicht offen steht?

Wie schon beim ersten Teil dieser Reihe sind die Antworten manchmal schnell zu finden, manchmal braucht man Jahre dafür. Wichtig ist, dass die Fragen in deinem Kopf sind. Die Antworten kommen schon, wenn sie reif sind. Und wenn du einmal “deine” Themen herausgefunden hast, versuche dich bewusst mehr darauf zu konzentrieren. Das heißt nicht, dass du nicht auch außerhalb dieser Themen fotografieren darfst/sollst. Es bedeutet nur, dass du an deinen Stärken arbeiten sollst. Es ist interessanter, einfacher und effektiver an seinen Stärken zu arbeiten, als zu versuchen, die Schwächen auf mittelmäßiges Niveau zu bringen. Wenn alle nur an ihren Schwächen arbeiten würden, wären wir bald in einem Einheitsbrei verloren. Wenn aber alle ihre Stärken hervorbringen, wird unsere Gesellschaft deutlich weiter kommen. [Was natürlich nicht heißt, dass man nicht auch an seinen Schwächen arbeiten sollte, nur seine meiste Energie steckt man besser in seine Stärken.]


Als Fotos will ich heute einmal ein paar meiner schönsten Meisenfotos aus dem vergangenen Herbst zeigen. Mir war aufgefallen, dass ich noch kein einziges hier im Blog gezeigt habe. Einige von euch werden die Fotos schon kennen und ich hoffe, ihr könnt mir das nachsehen.

Kohlmeise im Anflug Blaumeise am Meisenknödel Blaumeise am Meisenknödel Blaumeise am Meisenknödel
Blaumeise am Futterhäuschen Blaumeise am Futterhäuschen Blaumeise am Meisenknödel Kohlmeise auf dem Fensterbrett

Bessere Fotos (I)

Dienstag, 16. März 2010 - Torsten Winkler

Nun will ich mich einmal dem Thema “bessere Fotos” widmen. Doch geht es dabei nicht um die üblichen “Blende soundso” und “Kamera diesunddas”. Ich möchte vielmehr eine Basis schaffen – eine Basis, auf der unsere Fotos dann aufbauen können und automatisch besser werden. Garantiert! :)

Wenn ich fotografiere, spreche ich zum Betrachter meiner Fotos. Manchmal sind das Selbstgespräche, meist jedoch nicht ;) Wenn ich meinem Zuhörer etwas erzähle, dann ist es viel interessanter für ihn, wenn ich weiß, wovon ich rede. Je mehr mir das Thema am Herzen liegt, umso mitreißender kann ich darüber berichten. Und wenn ich wirklich gut bin, dann begeistere ich sogar Leute, die das Thema nicht sonderlich interessiert.

Viele Fotografen fotografieren Dinge “weil sie schön sind”. Doch das ist nicht ausreichend, um etwas Interessantes zu berichten. Was ist daran schön? Und warum? Erst, wenn wir genau wissen was uns interessiert und bewegt, können wir es auch zeigen. Und manchmal müssen wir lange graben, um zu erkennen.

Schauen wir kurz auf ein Beispiel. Was ist die interessantere Aussage:

“Die Dahlie ist schön.”

oder

“Als ich zum ersten Mal eine Dahlie genauer betrachtete, war ich von der monumental wirkenden Skulpturenlandschaft ergriffen, die in ihren Farben auf mich einstrahlte. Seither bin ich fasziniert von dem Wechselspiel von Farben und Formen, die sich in einer einzigen Blüte verstecken. Auf meinen Entdeckungstouren durch eine Dahlie, klettere ich wie in einem Gebirge durch die Landschaft und fühle mich wie auf einem riesigen fantastischen Spielplatz.”

Für mich trifft die zweite Beschreibung ziemlich den Kern der Sache. Wenn ich als Fotograf mit dieser Sichtweise ein Foto von einer Dahlienblüte mache, werde ich völlig andere Fotos erhalten als jemand, der die erste Aussage als die seine ansieht. Natürlich kann man auch mit “Die Dahlie ist schön” sehr schöne Fotos machen. Doch allein das Leben, das hinter der Zweiten steckt, birgt das größere Begeisterungspotential.

Als erste Aufgabe in dieser Reihe sollst du dir daher ein paar Fragen stellen:

  1. Was liebe ich am meisten und warum?
  2. Welche Gefühle oder Bilder löst dieses Thema in mir aus?
  3. An welche Erlebnisse etc. erinnert mich dieses Thema?

Oft kommen nicht sofort Antworten auf diese Fragen. Das ist ok. Es reicht, sich hin und wieder diese Fragen zu stellen und darüber zu grübeln. Die Antworten werden kommen, ganz sicher! Auch bei mir kommen immer neue Antworten auf.

Und wie soll das nun helfen, bessere Fotos zu machen? Wir haben doch nichts über Fototechnik gelernt oder geübt? Nun, es ist vielleicht wie mit einem Liebesbrief. Wenn du einen Liebesbrief an hundert x-beliebige Leute schreibst, heißt das gar nichts und wird niemanden berühren. Wenn du den Brief jedoch an die eine spezielle Person schreibst, ist es etwas ganz anderes – dann ist dein Herz bei der Sache. Wenn du nun weniger die Dinge fotografierst, die zwar schön sind, dich aber nicht bewegen und dich mehr auf die Dinge konzentrierst, die dir etwas bedeuten, werden bessere Fotos herauskommen.

4 s # f 22 # iso 100 # 70 mm 8 s # f 22 # iso 100 # 70 mm # plus Zwischenringe 1/2 s # f 22 # iso 100 # 70 mm # plus Zwischenringe 2 s # f 22 # iso 100 # 70 mm # plus Zwischenringe
1/2 s # f 22 # iso 100 # 70 mm plus Zwischenringe 1/2 s # f 22 # iso 100 # 70 mm plus Zwischenringe 1/2 s # f 22 # iso 100 # 70 mm plus Zwischenringe 4 s # f 22 # iso 100 # 70 mm plus Zwischenringe

Ich freue mich übrigens sehr darauf, dass ihr die eine oder andere Antwort, die ihr gefunden habt, in den Kommentaren postet.