Bei meinem zweiten Versuch, morgens Nebel am Cospudener See zu erwischen, hatte ich vollen Erfolg – 100% Nebel. Dick und träge hing er in der Landschaft. Das Problem dabei – der von mir erhoffte Effekt mit durch den Nebel brechender aufgehender Sonne kam nicht zustande. Der Nebel war einfach zu stark und anhaltend. Es blieb mir also nichts anderes übrig, als mit den Karten zu spielen, die ich auf die Hand bekommen hatte. Und was für ein Spiel das war!
Die Fahrt auf dem Rad an diesem Morgen war eine Herausforderung für sich und ich war kurz davor aufzugeben. Zum einen war es noch dunkel, der Nebel verschleierte die Sicht und das Fahrradlicht brachte fast mehr Nachteile als es half (der angestrahlte Nebel wurde zu einer milchig-weißen Wand). Ich konnte kaum 5 m vorausschauen vorausahnen. Und zu anderen beschlug meine Brille binnen weniger Minuten derart, dass ich noch weniger sehen konnte und ohne sehe ich zu wenig zum Fahren. Es war nicht lustig.
Der dichte Nebel hatte aber einen tollen Nebeneffekt. Den Tieren ging es nämlich nicht viel anders als mir. Ok, die haben kein Fahrradlicht und auch keine Brillen – doch auch ihre Sinne waren deutlich eingeschränkt. Weder Sicht, noch Gehör und wohl auch der Geruchsinn waren voll funktionsfähig. An diesem Morgen sah ich 2 Rehe (die gleichen, wie ein zwei Tage zuvor – klick), 2 Schwäne, einen Haubentaucher und 2 Fassane, Unmengen kleine Fische – alles in meiner direkten Umgebung. Man lies sich auch kaum von meiner Anwesenheit beeindrucken. Schön :) So hatte ich das am Cospudener See noch nicht erlebt.
Das Fotografieren ging angenehm gut – die Kontraste sind im Nebel so gering, dass nahezu alle Töne beieinander liegen. Wie man an den Ergebnissen erkennt, habe ich recht viel herumexperimentiert (erkennbar an den unterschiedlichen Stilen, die bei den Fotos herausgekommen sind). Ich hatte auch mit dem Gold’n'Blue-Filter experimentiert (Bild 2), doch so ganz war ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Dafür aber mit dem flügelschlagenden Schwan umso mehr.
Mein absoluter Favorit ist Bild Nr. 6. Ich mag total, wie die Blätter scharf geworden sind und trotzdem über allem dieser Schleier liegt. In dieser Richtung will ich gern noch mehr machen. Seither ist der Nebel aber nicht mehr so freundlich zu mir gewesen – wenn Nebel war, hatte ich keine Zeit oder wenn ich Zeit hatte, war kein Nebel. Ich bin aber zuversichtlich, dass es nicht meine letzten Fotos im Nebel gewesen sind.