Monatsarchiv Januar, 2011

Vom Zwitschern und Hinterherlaufen

Freitag, 21. Januar 2011 - Torsten Winkler

Manchmal bin ich ja schon sehr kritisch, was meine Umwelt betrifft. Und zu einer Entwicklung der letzten Zeit muss ich nun doch einmal etwas sagen. Von einigen neuen Marketingkonzepten für Fotografen kenne ich die Ideen, dass man sich mit Twitter und Facebook eine Fangemeinde aufbauen kann und somit zu Einnahmequellen kommt (mal sehr grob übervereinfacht).

Abgesehen davon, dass Twitter nur desswegen so “groß” geworden ist, weil Journalisten mittlerweile nur noch bessere Schülerpraktikanten sind (von der Qualität her) und ihrer Aufgabe der gründlichen Recherche nicht mehr nachkommen können (Unfähigkeit) oder wollen (Faulheit). Aus lauter Unvermögen wurden dann aus Twittereien zu Ereignissen Nachrichten gemacht. Vor einigen Jahren hätte sich kein Journalist getraut, Gequatsche von einem x-beliebigen Dahergelaufenen als Nachricht zu verbreiten. Twitter ist ein Banalitätsportal. Der einzige Nutzen liegt darin, dass es so aussieht, als würde sich etwas bewegen – je mehr desto besser.

Ganz ähnlich ist es mit den Facebookseiten von Fotografen. Zum Teil ja ganz nett, was da so an Bildern gepostet wird. Doch Ziel ist eigentlich nur, möglichst viele Verfolger oder Fans zu bekommen. Dich wenn man sich das ganze mal mit etwas Abstand betrachtet, was passiert da eigentlich? Fotograf A verfolgt Fotograf B und C. C verfolg A und B und dann noch D. D verfolgt A und B usw. Doch was ist es eigentlich, wenn jeder jedem hinterherläuft? Ein wirres Hin- und Hergewusel und im Endeffekt alles nur ein mehr oder weniger komplexer Ringelreihen. Ein großer Spaß und alle freuen sich, dass sich was bewegt.

Bewegung scheint also das Zauberwort zu sein. Doch ist Bewegung allein kein Garant dafür, dass es vorwärts geht. Man kann sich den ganzen Tag wie wild abhampeln und steht immer noch am gleichen Fleck.

Ich sage nicht, dass diese (und andere ähnliche) Portale nicht auch ihren Nutzen haben. Doch bei allem muss man auch realistisch sein und sehen, dass die meisten Verfolger nicht die eigene Zielgruppe sind und das die Aktivitäten zur Steigerung des Bekanntheitsgrads (als Fotograf) die von den meisten so geschmähte Werbung ist. Und gerade im Kreise der Freunde ist es doch sehr merkwürdig, wenn einem jemand immer wieder seine eigenen Leistungen anpreist.

Als Kernpunkt meiner Aussage möchte ich also festhalten, dass es für die allermeisten Fotografen keinen Sinn macht, auf die genannten Marketingkanäle zu setzen. Und im Sinne der fotografischen Entwicklung ist es auch fraglich, ob die dort investierte Zeit einen Zins abwirft. Ich für meinen Teil denke, dass es wesentlich effektivere Wege gibt. Doch das sind nur meine Gedanken zu diesem Thema …

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Ich habe versucht ein Foto zu finden, was irgendwie zum Thema passt, doch außer ein paar Vogelbildern ist mir in meinem Archiv nichts angemessenes untergekommen. Die Frau Amsel habe ich euch noch garnicht gezeigt (zumindest nichts von diesem Fototermin). Und da sie so schön fragen drein schaut, soll sie heute mal zur Bebilderung herhalten.

Über den Sinn von Projekten

Sonntag, 16. Januar 2011 - Torsten Winkler

Seit langer Zeit wollte ich schon immer mal etwas über Projekte allgemein schreiben, habe mir das bisher aber verkniffen. Eine Diskussion vor einigen Tagen hat mich dann doch mal zu der Überzeugung gebracht, dass ich meine Gedanken dazu aufschreiben sollte. Nicht weil ich der Hüter der Wahrheit bin, sondern weil ich eine individuelle Meinung dazu habe (wie jeder andere auch). Dabei will ich auch gleich sagen, dass jeder immer recht hat, wenn man den entsprechenden Betrachtungswinkel berücksichtigt. Das soll heißen – ich liege auf alle Fälle voll daneben, solange man die Voraussetzungen für meine Worte ändert. Und damit keine Missverständnisse entstehen – ich will meine Meinung zu Projekten unter dem Gesichtspunkt äußern, dass damit fotografische Entwicklungen vorangetrieben werden sollen.

Wenn ich mich im Netz auf vielen Fotoblogs umschaue, so gibt es sehr häufig Fotoprojekte zu sehen. Das ist gut, weil Projekte uns “nach vorne werfen” sollen (laut Wikipedia der Ursprung dieses Worts). Nun gibt es eine ganze Reihe von Fotoprojekten, die mit Zahlen aggieren. Besonders beliebt scheinen die 365er Projekte zu sein. Bei diesen Projekten soll jeden Tag ein Foto gemacht werden – ein ganzes Jahr lang. Klingt toll und scheint eine gewisse Magie zu haben. Doch was ist das Ziel bei diesen Projekten? Meist ist dahingehend nichts definiert. Es sind die Termine für die Erstellung und die Anzahl der zu produzierenden Werke vorgegeben, jedoch fehlt nahezu immer eine Festlegung von Zielen, die mit dem Projekt erreicht werden sollen.

Ohne ein Ziel wird aus einem Projekt jedoch eine Beschäftigungstheraphie. Im Falle der 365er zeigt der Macher, dass er es geschafft hat (falls es zu Vollendung kommt), jeden Tag einmal auf den Auslöser zu drücken. Mehr wird vom Projekt nicht verlangt, mehr ist nicht erforderlich und viel mehr wird meist auch nicht gemacht. Wenn man ein Projekt als Wanderung ansieht, dann wird mit dieser Art von Projekten gesagt, das man soundsoviel Schritte machen will, jedoch nicht wohin. Schlimmstenfalls tritt man auf der Stelle oder wandert verloren umher. Bei einer Wanderung hört man auch nicht nach einer festgelegten Zahl von Schritten auf und bleibt dann dort zurück, wo man gerade hingekommen ist. Man stellt sich ein Ziel und hört doch erst auf, wenn man angekommen ist (oder von Suchtrupps gefunden wurde).

Ich habe absolut nichts gegen Projekte, die an eine bestimmte Zahl gebunden sind. Manche Leute finden soetwas vielleicht sexy oder besonders motivierend. Ich glaube jedoch, dass ein Projekt nur etwas bringt, wenn man sich vorher klar darüber wird, was man damit erreichen will. Wenn man ein dokumentarisches Ziel verfolgt, also ein Fototagebuch machen möchte, dann mögen derartige Projekte einen Sinn haben. Unter dem Gesichtspunkt der Entwicklung von fotografischen Fähigkeiten darf man aber nicht zuviel erwarten. Zudem haben die besonders langfristigen Projekte Nebenwirkungen – sie können zur Belastung werden und dann wird aus dem positiven Ansatz, dass man sich täglich mit Fotografie beschäftigen will, schnell ein schwarzer Schatten auf dem eigentlich geliebten Hobby. Entweder macht man dann zähneknirschend halt schnell das Foto, oder man überlegt sich Ausreden, wieso man heute keins machen konnte.

Sich täglich mit Fotografie zu befassen ist ein sehr guter Ansatz (siehe z. B. hier), nur für ein Projekt sollte es dann schon etwas zielgerichtetes sein. Dazu wäre eine thematische Festlegung ein erster Ansatz. Oder man begrenzt seine Mittel (z. B. nur bestimmte Ausrüstung verwenden). Aber wichtig bei allem ist – das Ziel. Was soll erreicht werden? Ohne dies “darf” es sich nicht Projekt nennen und ist auch nicht über eine Fleißarbeit hinaus überprüfbar. (“Okay, du hast 365 Fotos gemacht – aber wieso brauchst du dafür ein Jahr? Das kann man auch an einem Tag machen.“)

Und noch ein Tipp – bei Projekten, die sehr langfristig angelegt sind wird meist vergessen einzubeziehen, dass man schon nach einer gewissen Zeit (entsprechende Beschäftigung mit dem Thema vorausgesetzt) über den anfänglichen Fähigkeitshorizont hinaus gewachsen ist. Und dann fühlt man sich schnell wie ein Zweitklässler, der mit Aufgaben für Erstklässler beschäftigt wird. Daher ist es besser, Projekte in kürzerem Zeitrahmen zu fassen.

Für all diejenigen unter uns, die berufstätig sind oder irgendwelche Aufgaben zu erledigen haben (Haushalt, Kinder etc.) – lasst euch etwas Luft im Projekt. Der Mensch braucht auch mal eine Pause und selbst für kleine Aufgaben wird eine gewisse Energie benötigt. Es ist wenig sinnvoll, wenn man abends völlig erschöpft nach Hause kommt und dann noch schnell kreativ sein soll. Es gibt einfach Tage, wo das nicht funktioniert und da sollte sich niemand immer auf Krampf zu etwas zwingen.

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Eine Art von Projekt ist mein Experimentieren mit den “fließenden” Lichtern. Da ist es mein Ziel, mit dieser Form der Fotografie vertraut zu werden und mehr Kontrolle über die Ergebnisse zu bekommen. Und nicht zuletzt fasziniert mich die Spielerei mit den Farben und den nicht bestimmbaren Formen.

Diesmal habe ich versucht bei der Entwicklung eine andere Farbstimmung zu nutzen und etwas mehr ins kühlere zu gehen. Dabei machen die Blautöne (und deren Übergänge in andere Farben) aber ein bisschen Probleme und es entstehen schnell unschöne Kanten (bei den gezeigten Fotos eher nicht). Mir gefällt an diesen Bildern besonders der Kontrast zwischen dem Gelb und dem bläulichen Cyan.

Die Jagd geht weiter

Samstag, 8. Januar 2011 - Torsten Winkler

Seit einiger Zeit habe ich das Bedürfnis, mich mit meinen abstrakten Experimenten aus dem vergangenen Jahr (speziell: Klick 1, Klick 2) weiter zu befassen. Irgendwie habe ich derzeit ein gesteigertes Interesse an leuchtenden Farben. Und da habe ich mir mal wieder eine Stunde Zeit genommen und weiter an einem meiner Lieblingssetups (Kerze, Windlicht und Makroobjektiv im Dunkeln mit Langzeitbelichtung) gearbeitet.

Gerade, weil es nicht ganz einfach ist, das Ergebnis vorherzusehen ist es ein großer Teil Glück und Menge, die zu den gewünschten Bildern führt. Obwohl auch hier erstmal alles Pi mal Daumen geht und dann beim Bearbeiten ein Teil der kreativien Arbeit/Auswahl erfolgt. Sprich: Ich probiere und kontrolliere dann grob auf dem LCD, wie das Ergebnis aussieht. Dann versuche ich die Effekte, die mir am besten gefallen zu reproduzieren bzw. abzuwandeln. Doch erst am Computer wird dann klar, welche Bilder etwas geworden sind und welche eher nicht. Dabei macht es mit einigen Bilder sofort “klick” während es beim nächsten, ganz ähnlichen mit meiner Reaktion schon wieder anders aussieht.

Dies ist so ein Zehntel der Fotos und nur der erste Durchgang – unter den restlichen Bildern sind einige dabei, die ich noch bearbeiten werde.Mal sehen, ob ich die euch noch zeigen werde ;) Einen speziellen Favoriten habe ich bei diesen Fotos nicht, da ich auf allen etwas entdecke, das mir ganz besonders gefällt. Trotzdem habe ich damit noch nicht das Ziel erreicht, was ich eigentlich vorschwebt. Ich werde also noch eine Weile danach jagen müssen.

[Die Kommentarfunktion habe ich für diesen Artikel ausgeschaltet, da ich hier zuviele unerwünschte Werbekommentare löschen musste. Bei echtem Kommentarwunsch mir einfach eine Mail schreiben. Danke.]

Ein Jahresausblick

Dienstag, 4. Januar 2011 - Torsten Winkler

Da möchte ich das Jahr 2011 mit einer Art Ausblick beginnen. Viele nehmen sich zum Jahreswechsel Dinge vor und versuchen diese im neuen Jahr dann beizubehalten. Davon halte ich für mich persönlich nicht viel, da ich der Meinung bin, dass man zu jedem Zeitpunkt mir guten Vorsätzen anfangen kann. Mein Ausblick soll eher eine Beschreibung von Zielen für dieses Jahr sein.

Für das Jahr 2011 steht schon fest, dass ich an einer ersten öffentlichen Ausstellung teilnehmen werde (Termin ist ca. Juni). Anfänglich war ich etwas zurückhaltend, doch langsam freue ich mich immer mehr darüber und bin schon gespannt auf das Ergebnis. In der fotografischen Entwicklung habe ich mir die Ziele gesetzt, weiter an meinen abstrakten Experimenten zu arbeiten. Ich plane deutlich mehr Zoobesuche, um mich in der Tierfotografie etwas weiter zu entwickeln. Im Bereich Kinderfotografie habe ich vor Schritte in eine wertschöpfende Richtung zu gehen (ich bleibe vorerst noch etwas wage was diesen Punkt betrifft). Und in der Makrofotografie möchte ich einen großen Schritt unternehmen, was jedoch an eine bestimmte technische Umsetzung gebunden ist. Für all diese Ziele habe ich schon einigermaßen präzise Vorstellungen, die bei Umsetzung dann auch verblogt werden ;) Weiterhin möchte ich die Übung im Portraitbereich nicht verlieren und vielleicht kommt ja eine Hochzeit hinzu …

Es gibt ein paar fototechnisch-materielle Ziele, die ich dieses Jahr verwirklichen möchte. Darunter fällt die Anschaffung eines Blitzgeräts (Teil der makrofotografischen Geschichte) und einiger damit verbundenen Kleinigkeiten. Auch plane ich die Anschaffung eines neuen Objektivs, wo ich jedoch noch nicht ganz klar entschieden habe, nach welcher Priorität ich handeln werde. Natürlich setzt dieser Plan voraus, dass ich mich finanziell entsprechenden Freiraum verschaffen kann.

Für den Blog habe ich geplant, eine ähnlich regelmäßige Bestückung wie im vorigen Jahr zu erreichen – ohne mich dabei jedoch unter Druck setzen zu wollen. Hierbei stehen die Umsetzung neuer und offener alter Übungen auf der Liste. Auch möchte ich die schwierige Aufgabe in Angriff nehmen, das erlernte der letzten Monate weiterzugeben. Letzteres wird etwas verzwickt werden, weil ich festgestellt habe, wie komplex und verzweigt viele für mich wichtige Ideen und Hintergründe sind. Aber ich werde sehen, ob und wie ich das hinbekomme.

Ebenfalls in der Planung ist die Abarbeitung meines weiter gewachsenen Bücherstapels. Durch einiges kämpfe ich mich schon vor, anderes steht noch aus dem letzten Jahr an (derzeit sind es 7 Fotobücher). Teilweise sehr interessante Dinge, die ich bei Gelegenheit natürlich ansprechen werde. Momentan muss ich aber noch über einigen Ideen brüten.

Nun gut – das war mein grober Ausblick für 2011. Es wird natürlich noch einige andere Sachen geben – ich werde sowohl das Basteln, als auch das Zeichnen nicht sein lassen und regelmäßig zeigen. Aber auch viele kleinere und spontane Sachen wird es auch in diesem Jahr wieder geben. Ich bin schon sehr gespannt, was ich am Ende des Jahres so denke, wenn ich diesen Artikel dann nochmal hervorkrame. Ganz sicher wird es die eine oder andere Sache geben, die kleiner oder größer als gedacht geworden ist. Aber das ist ja auch das Spannende am Leben – man kann nichts wirklich genau vorausplanen und Überraschungen sind das Salz in der Suppe.

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Heute will ich Fotos von meinen einzigen treuen Winterfutterstellenbesuchern zeigen. Bis auf das Päärchen Ringeltauben lassen sich derzeit fast keine Vögel bei mir am Fenster blicken. Die werden auf den Balkonen im Hinterhof von zu vielen Leuten gefüttert, als das sie sich an mein Fenster auf der Straßenseite vorwagen.