Ich habe zu Fotocommunities aller Art (Fotocommunity, Flickr, 500px etc.) eine wenig positive Meinung. Was vielen Nutzer nicht bewusst ist – es geht den Portalen einzig und allein darum, Geld zu machen. Ja, auch wenn das Meiste kostenlos genutz werden kann. Diese Communities sind Geldsammelmaschinen. Natürlich wird eine Leistung geboten und daher ist das auch irgendwie in Ordnung.
Das wahre Problem bei diesen Communities ist aber die Art, wie man sie nutzen muss, um eigentlich den wahren Nutzen davon zu haben. Eigentlich geht es dem Mitglied darum, seine Fotos zu zeigen und eventuell ehrliche, hilfreiche Kritiken zu erhalten. Doch so funktioniert das nicht. Damit das ganze System aufgeht, muss man auch Kritiken geben – klar, wenn alle nur zuhören herrscht Stille. Außerdem müssen andere ja die Fotos erstmal wahrnehmen, um eine Kritik geben zu können.
Das einst fotobegeisterte Mitglied hat jetzt ein neues Hobby – in einer Community wahrgenommen zu werden. Ab jetzt muss man gegen das System kämpfen und viele positive Kritiken zu Fotos anderer schreiben. Warum positiv? Wenn man selber noch nicht der hochdekorierte Starfotograf ist, wird man durch eine negative Kritik gleich als neuer Feind angesehen. Die kleinste Rache, die man sich dann erhoffen kann ist: “Deine Bilder sind ja auch nur Schrott”. Selbst wenn das stimmt, wird aus einer Kritik (vorausgesetzt sie ist ehrlich) keine schlechte, denn ich muss ja auch nicht Autofahren können, um zu sehen, das der Taxifahrer das Ziel nicht findet, oder von der Straße abkommt. Auf jeden Fall besteht nun der Großteil der Freizeit eines Communitymitglieds aus Lobhudelei, um von möglichst vielen anderen als symphatisch wahrgenommen zu werden. Mitunter fällt dadurch auch ein Revanchelob für eins der eigenen Bilder ab.
Und jetzt kommt die wirkliche Gefahr bei diesen Communities – abgesehen davon, dass man nun keine Zeit mehr für sein Hobby Fotografie hat – die Regeln. Wenn man in einer solchen Community etwas kritisiert, dann muss man sich auf scharfen Gegenwind gefasst machen. Meist steht man dann allein dem Kritisierten und seiner Clique gegenüber. Eine kritische Bemerkung hat also fast nur dann eine Chance, wenn sie sich auf etwas beruft, was der andere vielleicht schon mal gehört hat. Und das sind die Fotoregeln. Je öfters diese zitiert werden, umso stärker werden sie als Gesetze interpretiert. Nach einer Weile bildet sich dann sektenähnliche Gruppen von fanatischen Regelnazis, die alles und jeden platt machen, der auch nur einen Buchstaben der heiligen Lehre missachtet. Und natürlich gibt es immer auch die Gegenbewegung, die Regelanarchisten, die das Gegenteil erreichen wollen.
Am Schluß hat das alles nichts mehr mit Fotografie zu tun. Und nach und nach sehen sich alle Fotos in diesen Communities recht ähnlich. Im Laufe der Zeit siecht alles nur noch vor sich hin und schläft ein. Wenn es die Community mal nicht mehr gibt, stehen die einstigen “Megastars” mit leeren Händen da und haben nicht viel mehr erreicht als ihre Zeit verbraten. Denn was auch viele Nutzer vergessen – egal wie hipp und cool etwas heute erscheint, schon morgen sitzen alle auf einem anderen Zug und fahren davon. Myspace war mal so toll, da musste jeder dabei sein. Yahoo war mal so groß, dass man im Internet nur existieren konnte, wenn man dort gelistet war. AOL war ein Gigant im Internet. Flickr war mal cool und ist jetzt nur noch altbackener Mainstream. Alles kommt und alles geht auch wieder. Ja, auch Facebook und Google.
Was ich sagen will: Vielleicht ist es besser, nicht den angesagten Sachen im Netz hinterher zu rennen, und sich lieber mit seinem Hobby zu befassen. Wer jeden Monat ein Buch über sein Hobby liest, der weiß nach einem Jahr mehr als 95% derer, die dieses Hobby haben. Das ist deutlich weniger Zeit als man in einer Community verplämpern muss, um dort bekannt zu werden.
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Heute gibts mal ein Foto, dem ich selber nicht so viel Bedeutung beigemessen habe, aber das wohl einer ganzen Reihe Leute sehr gut gefällt. Unser WG-Kaninchen Helga beim Nestbau.
